Veröffentlicht 9 Juni 2025

Additivfreie Spirituosen: Warum Tequila- und Mezcal-Trinker Transparenz fordern

In den letzten Jahren hat eine stille Revolution die Welt von Tequila und Mezcal verändert.

Additivfreie Spirituosen: Warum Tequila- und Mezcal-Trinker Transparenz fordern

Konsumenten geben sich nicht mehr mit einer schönen Flasche oder einem trendigen Etikett zufrieden – sie wollen Ehrlichkeit. Sie wollen wissen, was in der Flasche ist. Und immer häufiger verlangen sie nach additivfreien Spirituosen.

Dieser Wandel hin zur Transparenz definiert neu, was es bedeutet, hochwertige Agavenspirituosen zu genießen. Doch mit der steigenden Nachfrage wächst auch die Spannung – besonders zwischen unabhängigen Watchdogs und den Aufsichtsbehörden in Mexiko.

Was bedeutet „additivfrei“ wirklich?

Laut mexikanischer Gesetzgebung dürfen Tequila-Produzenten bestimmte Zusatzstoffe verwenden – bis zu 1 % des Gesamtvolumens – ohne dies auf dem Etikett anzugeben. Dazu zählen:

  • Glycerin (für ein weicheres Mundgefühl)
  • Karamellfarbe (für ein dunkleres Aussehen)
  • Eichenextrakt (um Fassreifung zu imitieren)
  • Zuckerbasierte Aromen (zur Abrundung des Geschmacks)

Diese Zusätze sind zwar legal, können aber Geschmack, Textur und Farbe von Tequila oder Mezcal erheblich verändern und eine Reife oder Qualität vortäuschen, die nicht authentisch ist.

„Additivfrei“ hingegen bedeutet, dass der Spiritus ausschließlich aus natürlichen Zutaten hergestellt wird – nur Agave, Wasser, Hefe und Zeit. Keine Süßstoffe, keine Geschmacksverstärker, keine Farbstoffe.

Warum ist das den Konsumenten wichtig?

Der Trend hin zu additivfreien Spirituosen spiegelt eine globale Entwicklung wider: Menschen achten mehr auf Zutaten – bei Lebensmitteln, Kosmetik und jetzt auch bei Alkohol. Für viele steht Transparenz gleichbedeutend mit Vertrauen.

Abgesehen von gesundheitlichen oder lifestylebezogenen Gründen geht es auch um Authentizität. Additivfreier Tequila und Mezcal werden oft nach traditionellen Methoden hergestellt: langsames Garen in Backsteinöfen, Fermentation mit Wildhefen und Destillation im Freien. Diese Verfahren lassen den wahren Charakter der Agave durchscheinen.

Für Kenner ist es wie der Unterschied zwischen einem Massenwein und einem handwerklich erzeugten Wein von einem biodynamischen Weingut. Man kauft nicht nur Geschmack – man kauft Geschichte, Herkunft und Integrität.

Die Rolle von Tequila Matchmaker – und die Kontroverse

Eine Schlüsselfigur der additivfreien Bewegung ist die Plattform Tequila Matchmaker, eine beliebte App und Website, entwickelt von den amerikanischen Agaven-Enthusiasten Grover und Scarlet Sanschagrin. Die Datenbank enthält tausende Tequilas, Destillerie-Informationen und Nutzerbewertungen.

Noch wichtiger: Das Ehepaar führte ein freiwilliges „Additive-Free“-Verifizierungsprogramm ein, bei dem sich Marken freiwillig vor Ort inspizieren und labortechnisch analysieren lassen, um zu bestätigen, dass keine Zusätze verwendet werden. Über Jahre hinweg galt diese inoffizielle Zertifizierung als verlässliches Zeichen für Konsumenten und Händler, die auf der Suche nach traditionellen, reinen Tequilas waren.

Doch 2024 reichte der Consejo Regulador del Tequila (CRT), die offizielle Aufsichtsbehörde für Tequila in Mexiko, eine Klage gegen die Betreiber von Tequila Matchmaker ein. Der Vorwurf: Die Plattform habe mit ihren Zertifizierungen die Öffentlichkeit ohne regulatorische Befugnis in die Irre geführt.

Diese Klage löste eine branchenweite Debatte aus. Unterstützer von Tequila Matchmaker werfen dem CRT vor, zu industriefreundlich und intransparent bei der Abgrenzung traditioneller Spirituosen zu sein. Kritiker hingegen sind der Meinung, dass Zertifizierungen ausschließlich von offiziellen Institutionen kommen sollten – nicht von privaten Akteuren.

Der Rechtsstreit ist derzeit noch anhängig, sein Ausgang könnte die Zukunft des Tequila-Marketings maßgeblich beeinflussen.

Was bedeutet das für Konsumenten?

Der Fall zeigt den Grundkonflikt auf: die Spannung zwischen verbrauchergetriebener Transparenz von unten und institutioneller Kontrolle von oben. Und für Konsumenten stellt sich die Frage: Woher weiß ich, was wirklich in meinem Glas ist?

Die gute Nachricht: Es gibt einfache Schritte, die man als Verbraucher unternehmen kann:

  • NOM-Nummern prüfen: Jede Tequila-Flasche hat eine NOM-Nummer (Norma Oficial Mexicana), die angibt, in welcher Destillerie sie produziert wurde. Einige NOMs sind bekannt dafür, mehrere Marken mit traditionellen, additivfreien Methoden herzustellen.
  • Fragen stellen: Ob in der Bar oder beim Online-Kauf – fragen Sie ruhig nach, ob die Marke additivfrei ist oder nach traditionellen Methoden produziert wird.
  • Dem eigenen Geschmack vertrauen: Tequilas mit Zusätzen schmecken oft unnatürlich süß, weich oder aromatisiert mit Vanille und Butterscotch. Echte Agavenbrände zeigen erdige, pflanzliche, würzige oder mineralische Noten.
  • Transparente Produzenten unterstützen: Folgen Sie Herstellern, Importeuren und Kritikern, die Wert auf ehrliche Produktion legen. Viele kleine Destillerien sind auch ohne Zertifizierung offen in Bezug auf ihre Methoden und Zutaten.

Mehr als ein Trend: Eine Rückkehr zur Tradition

Was wir heute beobachten, ist kein kurzfristiger Hype – sondern die Rückbesinnung auf das, was Tequila und Mezcal ursprünglich waren. Vor der Industrialisierung waren diese Spirituosen per Definition additivfrei. Die heutige Bewegung versucht, dieses Erbe in einer modernen Welt voller Abkürzungen zu bewahren.

Brennereien, die sich für additivfreie Produktion entscheiden, verzichten oft bewusst auf größere Mengen und gleichbleibenden Geschmack – zugunsten von Qualität und Integrität. Es sind wahre Handwerker, die daran glauben, dass Agave in ihrer reinsten Form keine Hilfe braucht, um zu glänzen.

Fazit

Die steigende Nachfrage nach additivfreiem Tequila und Mezcal zeigt: Konsumenten werden bewusster, neugieriger und anspruchsvoller. Der Rechtsstreit zwischen Tequila Matchmaker und dem CRT wirft Fragen zur Autorität und Kennzeichnung auf – und bestätigt gleichzeitig, wie sehr den Menschen das, was sie trinken, am Herzen liegt. Eines steht fest: In der Welt der Agavenspirituosen ist Transparenz der neue Luxus.

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